Der Flohmarkt auf der Theresienwiese ist Fluch und Segen zugleich. Schafft man es aus dem Bett, wenn die Vögel gerade anfangen zu singen, hat man aber gute Chancen, ohne großes Gedränge tolle Schnäppchen bei den unzähligen Ständen zu machen.
5:30 Uhr, der Wecker klingelt. Ich überlege, warum er das tut. Ach ja, Flohmarkt auf der Theresienwiese. Jedes Jahr derselbe Wahnsinn. Unzählige Bekloppte klappen die Tapeziertische aus und bieten ihren Trödel feil – ich gehöre zu denjenigen, die darunter Schätze erstöbern wollen. Dass man die professionellen Händler mit dem angelaufenen Silberbesteck und den Messingkrügen meiden sollte, wenn man echte Schnäppchen machen will, wissen wir ja. Also hielt ich eher Ausschau nach Trödlern aus meiner Altersklasse, die ihre Sachen loswerden wollen, ohne einen über den (Tapezier-)Tisch zu ziehen.
Was habe ich entdeckt? Zum Beispiel eine alte weiße Kommode in gutem Zustand. “Was kostet die?”, fragte ich ahnungslos und rechnete mit einem Wucherpreis, da ich bisher noch nie auf einem Flohmarkt gezielt nach Möbeln geguckt hatte. “120 Euro, Verhandlungsbasis”, sagte der Händler. Ich schätze mal, dass ich ihn mit einem gekonnten Augenaufschlag auf 80 Euro hätte runterhandeln können. Das erste Schnäppchen also.
Kurz darauf hörte ich hinter mir einen jungen Mann scherzen: “Das stell ich mir als Biergarten in meinen Garten!” Er meinte mit “das” ein rosanes Plastikschloss. Ich musste grinsen. Was man auf Flohmärkten auch immer sichtet, sind alte Nähmaschinentische. Pfaff und Singer stehen hoch im Kurs und werden oft zu Wucherpreisen verkauft. Nicht so heute: “Für 60 Euro kannst du sie haben”, sagte der nette Trödler. Leider trotzdem über meinem Budget, aber ich bin sicher, dass diese wunderschönen Blickfänger heute noch den Besitzer gewechselt haben.
Außerdem im Angebot bei den Wiesn-Trödlern: “Sailor Moon”-Bettwäsche, die mein Fanherz pochen ließ, alte Polstermöbel, ein Designersessel für schlappe 500 Euro und jede Menge Tand. Im nächsten Jahr werde ich eine Sackkarre mitnehmen und mir eine hübsche Kommode gönnen, glaube ich. Sieht einfach so viel cooler aus als mein Malm-Modell von IKEA.
Meine Tipps für den Flohmarkt auf der Theresienwiese:
- Früh aufstehen! Das spart Zeit und Nerven, weil das Angebot noch groß ist und das Gedränge klein.
- Nicht sofort zuschlagen. Wenn man erst mal zögert, gehen die Trödler von selbst mit dem Preis runter.
- Plastiktüten mitnehmen, sonst gestaltet sich der Heimtransport von mittelgroßen Dekoartikeln schwierig.
- Sonnenbrille aufsetzen, die zaubert automatisch ein Pokerface beim Handeln.
Was für schöne und schräge Schätze, ich noch auf dem Theresienwiesen-Flohmarkt entdeckt habe, seht ihr in der Galerie:


Ich bin
um 11:48 Uhr
Die Kommode ist ein Traum. War das ne Marmorplatte???
um 08:46 Uhr
Das weiß ich gar nicht, glaube aber nicht
um 15:11 Uhr
Die Kommode hätte ich auch mitgenommen – super schick!
um 08:49 Uhr
Bin auch dort gewesen. Allerdings nix gekauft, sondern nur Stimmungen eingefangen:
http://leichtscharf.de/fotografie/reminiszenz-an-einen-flohmarkt-in-schwarz-weis/