Bei meinen Jungdesigner-Interviews war das ja immer so ne Sache. Ich schlenderte an den Ständen vorbei und hielt Ausschau nach heimischen Labels, weil mich natürlich interessierte, welche deutschen Jungdesigner es nach Mailand geschafft haben. Dann sprach ich die Jungs und Mädels auf Englisch an und merkte schnell, wenn jemand ein Landsmann oder eine Landfrau war. So auch bei Steffen Schellenberger aus Berlin, der auch einen Stand auf der SaloneSatellite hatte. Ein sympathischer Kerl, der ganz genau weiß, wie die Branche funktioniert – hier gibt’s das Interview!
Wer bist du, wie alt bist du und wie bist du hierher gekommen?
Ich bin Steffen Schellenberger aus Berlin, 31 Jahre alt und stelle zusammen mit meiner Studienkollegin Anne Boenisch aus. Wir teilen uns den Stand, machen ausschließlich Produktdesign und präsentieren hier unsere neuen Projekte.
Wie läuft das so nach eurem Studium? Hat man dann eine Idee und hofft, dass sie jemand produziert?
Ganz genau. Bei uns ist es so, dass wir hauptsächlich ideenbasiert arbeiten. Das heißt, wir entwickeln unsere eigenen Ideen, treiben das Ganze dann so weit voran, bis wir einen schönen Prototypen entwickelt haben und suchen uns danach erst den Hersteller. Das ist so ein bisschen von hinten durch die Brust ins Auge – also das, was viele auch als das klassische Autorendesign bezeichnen. Nur so, dass wir die Ware nicht selbst vertreiben, sondern wir uns in der Regel einen Hersteller suchen.
Ist das schwierig?
Ja, auf jeden Fall, wobei es von Projekt zu Projekt ganz unterschiedlich laufen kann. Aus meiner Erfahrung, die noch nicht sehr groß ist, kann ich sagen: Es gibt für jedes Produkt den passenden Hersteller. Man muss ihn nur finden. Jedes Produkt hat halt seinen eigenen Charakter. Wenn man dann aber erst mal einen hat, dann läuft alles ganz schnell.
Was war dein erstes selbst designtes Teil und wie verlief damit dein Weg?
Ich hab eines meiner Studienprojekte mittlerweile bei einem Hersteller und das hat eben genauso lange gedauert. Das ist eine Aufbewahrungsvorrichtung, so eine Gummiband-Wand aus Hosenträgern, die miteinander verwoben sind. Das funktioniert ein bisschen wie eine 3D-Pinnwand. Dieses Ding hat eigentlich auch so drei, vier Jahre rumgedümpelt, dann habe ich es ausgestellt und dann kam genau der Richtige vorbei. Der sagte “Ok, alles klar, nehm ich!”
Wer war das?
Ein deutscher Hersteller für Büroartikel. Und seither läuft es: Das Teil ist im Verkauf und es gibt auch ein Folgeprodukt, das im Februar erschienen ist. Das ist genau der Fall von “Man muss den Richtigen treffen”. Und das klappt halt bei diesen Ausstellungen hier am besten. Da kann man zeigen, wer man ist, was man macht und gleich Kontakte knüpfen.
Und wie viel Teile muss man in der Herstellung haben, dass man davon leben kann?
Keine Ahnung, ganz unterschiedlich. Es gibt wahrscheinlich auch Leute, die haben zwei Produkte und damit können sie die gröbsten Kosten abdecken. Andere Leute haben vielleicht Produkte, mit denen sie wahnsinnig viel Presse machen, von denen sich aber nur zwei im Jahr verkaufen.
Und bei euch läuft es?
Es läuft wahrscheinlich bald. Mal sehen. Ich kann jedenfalls noch nicht davon leben. Ich arbeite dran.
Jetzt mal zu den Objekten. Was sind das für Stühle und was hast du dir beim Design gedacht?
Das ist mein ganz neues Projekt aus diesem Jahr, die “Triplets”, also Drillinge. Das ist ein Möbelprojekt basierend auf dem visuellen Bild eines Stuhls, was ich aufgeteilt hab in drei Elemente, nämlich in Sitzfläche, Stuhlbeine und die Rückenlehne. Durch Manipulation der einzelnen Proportionen entstehen immer unterschiedliche Möbel. Einmal hier so eine Art High-Board, was zum Beispiel ein Schminktisch sein kann, bei dem die Rückenlehne der Spiegel ist. Oder der nächste, bei dem die Sitzfläche ganz dick wird und so einen Schrank bildet. Hinter der Rückenlehne verbirgt sich dann noch eine kleine Lampe, die diese Fläche beleuchtet, auf der man Dinge ablegen kann. Und beim letzten Objekt wird die Rückenlehne ganz lang und das ist dann ein Garderobenstuhl. Die “Triplets” leben also von dem lebendigen Miteinander der Objekte, die natürlich immer von den anderen abhängig sind, weil man sonst das visuelle Spiel nicht versteht.
Könnte man sie auch tatsächlich als Stühle nutzen?
Den Garderobenstuhl auf jeden Fall – der ist auch dafür gedacht, dass man sich hinsetzen kann und zum Beispiel seine Schuhe bindet. Auf den anderen geht das auch, obwohl der eine wohl etwas zu hoch sein dürfte.
Hier seht ihr Steffen mit “The Triplets” in groß:


Ich bin